Jobwechsel aufgrund Mobbing und falscher Versprechen

Informationen und Fragen zum Bewerbungsablauf, zu einzelnen Elementen der Bewerbungsmappe und zu individuellen Formulierungen. Wie soll eine Bewerbungsmappe aufgebaut sein? Welche Fakten gehören in ein Anschreiben? Welche Formulierungen sollten unbedingt vermieden werden?
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bernd1970
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Jobwechsel aufgrund Mobbing und falscher Versprechen

Beitrag von bernd1970 »

Hallo,
ich bin neu hier und hoffe auf Eure Hilfe, da ich zur Zeit vor einem riesigen Problem stehe.
Ich war 19 Jahre in einem Unternehmen in leitender Funktion tätig.
Ich bekam ein für mich zum damaligen Zeitpunkt verlockendes Angebot eines mir bekannten Unternehemens um dort nach und nach als Betriebsleiter einzusteigen. Auch finanziell lohnte sich der Wechsel.
Nun bin ich dort seit ca. 6 Wochen beschäftigt und der Wechsel stellte sich ziemlich schnell als der pure Horror da.
Eine Einarbeitung findet nicht statt. Fragen dürfen nicht gestellt werden, da mein Chef meint ich würde gut bezahlt um mir das Wissen selber zu vermitteln oder werden nicht beantwortet. Nach 2 Wochen begann das pure Mobbing. Mir wurde durch Kollegne gesagt, ich solle wieder in meine alte Heimat, mich könne hier niemand gebrauchen (was noch milde hier im Forum ausgedrückt ist). Beleidigungen auch über das äußere Erscheinungen sind an der Tagesordnung. Aber dieses ist scheinbar in dieser Form üblich, den jeden Tag beginnt für jemand anderen der Horror schon zu Tagesbeginn. Beleidigungen und Schikanierungen untereinander und seiten der Geschäftsführung sind an der Tagesordnung. Koleginnen schließen sich auf Toiletten ein, um Tränen zu vergießen. Arbeitsklollegen verbünden sich, um dem Chef körperliche Gewalt anzudrohen. Meiner eigentlich vereinbarten Arbeit durfte ich bislang zu keiner Minute nachgehen. Ich bin den ganzen Tag mit Fegen und Schleifen (mit Schleifpapier) beschäftigt. Da ich genannter Industriekaufmann bin (technische Fachrichtung) ist diese Arbeit der pure Horror für mich. Jeden Tag wird mir mein angeblich hohes Gehalt vorgehalten. Ich bin mittlerweile mit den Nerven ziemlich am Ende und habe schon Angst vor der Fahrt zur Arbeit. Zum Glück habe ich ein ausgezeichnetes Arbeitszeugnis meines Exarbeitgebers erhalten. Darauf setze ich große Hoffnung und möchte mich nun neu Bewerben. Meine Frage ist nun:
Wie stelle ich es am geschicktesten an, diesen schnellen Stellenwechsel möglichst positiv in meiner Bewerbung zu vermitteln um einen potentiellen neuen Arebitgeber nicht zu verschrecken. Ich hoffe auf Eure Hilfe.
Vielen Dank schon mal.
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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN »

Hallo Bernd1970!

Ich denke auf jeden Fall, dass a) Du auf jeden Fall dort gehen solltest und dass b) der schnellste Wechsel der beste ist! Je weiter Deine Zeit dort in die Nähe einer üblichen "Probezeit"-Distanz gerät, desto eher wird man vermuten, dass Du dieser fachlich nicht gewachsen warst - gerade vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es sich bei dem Wechsel ja auch um einen deutlichen (wenn auch nur theoretischen) Aufstieg handelte. Und zeugnistechnisch wird man Dir dort auch keinen Gefallen tun... nach allem, was Du schreibst. Je schneller Du gehst, desto glaubwürdiger wird dagegen der "Irrtum" bzw. die geziehlte Fehlinformation sein, der Du aufgesessen bist!

Bzgl. Taktik wird vermutlich jeder eine andere Meinung haben. Mein erster Gedanke: "Aktuelle Arbeit zumindest im Anschreiben komplett unter den Tisch fallen lassen." Die 6 Wochen, die Du dort jetzt bist sind heutzutage NICHTS... selbst als komplette Arbeitslosigkeit wären sie unbedeutend...

Wie wäre es, "einfach so" Bewerbungen auf Stellen der versprochenen Kategorie zu schreiben und Dich dabei auf Deine Erfahrungen und Kenntnisse der langjährigen Stelle zu konzentrieren (ohne mit einem Wort auf Deinen jetzigen Status einzugehen)? Normaaaaalerweise würde man das natürlich nicht so machen... aber Deine Situation als "Geschäftsführer mit Schleifpapier" ist ebenfalls alles andere als normal...

Der einzige Haken wird dann Dein Arbeitszeugnis sein, das sinngemäss vermutlich damit endet, "dass Du den Betrieb verlässt, um Dich grösseren Aufgaben zu stellen"?!? Es ist zwar nicht völlig unmöglich, aber äusserst unwahrscheinlich, dass ein solches Detail überlesen wird. Wenn das Anschreiben ansonsten wirklich überzeugend ist und die Stelle grundsätzlich "passt", wird man die Frage nach diesen besagten "Aufgaben" vielleicht erst im Vorstellungsgespräch stellen... wo Du dann evtl. sagen könntest, dass Dir im Vorfeld Deines Wechsels von Deinem Gesprächspartner in vielen wesentlichen Aspekten (z. B. Betriebsstruktur und -ausstattung, Geschäftspartner und -situation) derart irreführende Angaben gemacht worden seien, dass Du Deine Entscheidung auf eine vollkommen falschen Grundlage getroffen hast - und nun als "Mann der Tat" umgehend korrigierst... ;-)

Das Jammerei das grösstmögliche KO-Kriterium für einen potentiellen Geschäftsführer o. ä. wäre, muss ich Dir nicht erzählen?!?
bernd1970
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Beitrag von bernd1970 »

Vielen Dank für Deine prompte Hilfe. Ich hatte mal überlegt, in eine mögliche Initiativbewerbung folgenden Passus zu schreiben:

"Wie Ihnen durch meine vorher gemachten Angaben augefallen sein dürfte. möchte ich meinen jetzigen Arbeitgeber bereits nach zwei Monaten verlassen. Dieses ist sicherlich in der heutigen Zeit völlig ungwöhnlich. Doch eine äußerst angespannte soziale Situation innerhalb des Unternehmens lassen mir leider keine andere Wahl".

Wäre diese "Anmerkung" innerhalb der Bewerbung vielleicht schon ein Fehler????
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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN »

bernd1970 hat geschrieben: Wäre diese "Anmerkung" innerhalb der Bewerbung vielleicht schon ein Fehler????
M. E. wäre sie das. Du darfst nicht vergessen, dass Du "offiziell" in leitender Funktion dort bist [Frage am Rande: Was steht denn als Funktion im Arbeitsvertrag?]... d. h. ein Aussenstehender würde fest davon ausgehen, dass es zu Deinen Kernaufgaben zählen würde, "sozial angespannte Situationen" zu beseitigen... unabhängig davon, wie realistisch das im Einzelfall ist...
bernd1970
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Beitrag von bernd1970 »

Leider steht in meinem Arbeitsvertrag nur ganz allgemein der Passus "Industriekaufmann".
Doch meiner Meinung nach hat der Einsatz als Geschäftsführer "Schleifen"
nicht mit diesem Beruf zu tun :-)
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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN »

Hallo bernd1970!

Mir scheint es in der jetzigen Situation gar nicht so ungünstig zu sein, dass Deine offizielle Berufsbezeichnung etwas "niedriger gehängt" ist. Je höher Dein nachweislicher "Rang", desto unangenehmer werden vermutlich die Rückfragen ausfallen...

Welche Umschreibung Deiner letzten Position beim alten AG findet sich denn in Deinem Abschluss-Zeugnis? Ist da ein Grund für Dein Ausscheiden benannt (wenn ja, welcher?) und steht da etwas über Deine (seinerzeit) weiteren Absichten?
bernd1970
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Beitrag von bernd1970 »

Meine letzte Bezeichnung (auch im Arbeitszeugnis) ist LEITER der Entwicklung. Ich bin dort auf eigenen Wunsch ausgeschieden und es war dort auch nichts über meine Absichten hinsichtlich der "Karriere" beider neuen Firma bekannt.
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FRAGEN
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Beitrag von FRAGEN »

Wenn die alte Position (zumindest "offiziell") deutlich höher war, wäre das ja direkt noch ein Grund, die aktuelle Tätigkeit zumindest im Anschreiben nicht zu thematisieren... zumindest mit Blick auf Bewerbungen, die in den nächsten Wochen raus gehen...
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