nachdem hier tagein tagaus Ratsuchende ihre oftmals frustrierenden Erfahrungen kundtun, dachte ich, es sei vielleicht an der Zeit, mal einen positiven Erfahrungsbericht zu verfassen. Einen, der zeigt, dass auch das scheinbar Unmögliche nicht unmöglich ist.
Tag 1: auf einem Jobportal fällt mir eine Key-Account-Manager-Stelle auf
15 min später schreibe ich an meiner Bewerbung (die aus Sicht der Profis hier sicher etliche Fehler aufweist

5 Stunden nach Absenden der eMail-Bewerbung erhalte ich eine Rückmeldung. Nicht etwa eine Empfangsbestätigung sondern die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch an Tag 7.
10 min darauf habe ich die betreffende Person am Telefon und bitte um einen Alternativtermin
Tag 2, morgens: ich erhalte eine Mail mit einem Alternativtermin zum VG an Tag 3. Ich sage zu.
Tag 3 - das Vorstellungsgespräch: pünktlich, gut vorberteitet, latent overdressed

Tag 4: ich schreibe eine kurze Dankesmail für das Gespräch und bekomme postwendend eine Antwort, dass sie denselben positiven Eindruck hatten und sich baldmöglichst melden.
Tag 7: ich bekomme eine Mail mit der Einladung zum zweiten Gespräch an Tag 12.
Tag 12: Das gesamte Team sitzt mir gegenüber, alle stellen sich und ihren Aufgabenbereich kurz vor, ich fasse meinen Lebenslauf und ein Paar persönliche Eckdaten kurz zusammen. Wir reden über das Betriebsklima etc und alle machen einen total positiven Eindruck auf mich.
Anschließend in kleiner Runde (wie beim ersten VG) wird über Vertragseckpunkte gesprochen. Fazit: nach der Rückmeldung des Teams bekomme ich Bescheid.
Tag 12, 5 Minuten nach Verlassen des Bürogebäudes: auf meiner Mailbox ist ein Anruf vom Geschäftsführer - Team fand mich super, Entscheidung für mich steht. Eine Mail mit ähnlichem Wortlaut ist da auch schon in meinem Postfach. Den Vertragsentwurf bekomme ich später am Tag zugemailt.
Tag 13: meine Nachfragen zum Vertrag sind alle beantwortet worden, Tags darauf soll der Arbeitsvertrag unterzeichnet werden
Tag 14: ich erscheine zur Vertragsunterzeichnung, alle Teammitglieder freuen sich - ich mich auch.
Kündigung für den alten Arbeitgeber zur Post gebracht, telefonisch schonmal vorgewarnt. Jetzt heisst*'s nur noch abwarten, ob ich schon vorher eine Freistellung bekomme.
------ soooo einfach KANN das sein. Ich bin total happy!!! ----------
Zu meinen Rahmenbedingungen: Mein "Kreuz" ist das einer durchschnittlichen Mutter: ich arbeite seit knapp 2 Jahren in Teilzeit (sehr gut bezahlt) völlig branchen- und ausbildungsfremd, war davor zwei Jahre lang "so ein bißchen selbständig" - meine relevanten Berufserfahrungen sind also vier bis elf Jahre alt. Da ich aber trotzdem unbedingt wieder zurück in den e-Commerce-Bereich wollte, wo ich "seinerzeit" nicht nur viel Spaß hattesondern auch gute Ergebnisse erzielt habe, begann ich vor einiger Zeit, Bewerbungen (etwa fünf oder sechs) zu schreiben.
In der Zeit habe ich vor allem Eines: je größer die Firma, desto unwahrscheinlicher, dass die an mir interessiet sind. Denn ein Unternehmen, das über große Tageszeitschriften wie die Süddeutsche und über riesige Portale wie monster.de Anzeigen schalten kann, bekommt Bewerbungen sicher nicht im Dutzend sondern eher en gros. Da falle ich aufgrund meiner Papiere (nicht schlecht, aber eben veraltet) einfach raus, denn die können sich problemlos die Creme de la Creme abschöpfen.
Es hieß also, eine kleine Firma zu finden, die nicht die große Werbetrommel für ihre offene Stelle rührt. Eine, wo man den Sprung vom Bewerbungsschreiben zum VG relativ schnell schaffen kann - im 1:1-Gespräch lässt sich dann viel eher punkten und überzeugen. Mir ist es gelungen - und ich hoffe, dass dieser Bericht auch viele andere in ähnlichen Situationen dazu motivieren kann, es weiter zu probieren!
Boah, ist das lang geworden. Naja, ich wollt's mir mal von der Seele schreiben
