Hallo Tiefseetaucher! Und Esprit!
es ist immer wieder auf eine eigenartige Weise "schön" Gleichgestinnte zu treffen, die ungefähr das selbe Problem mit einem teilen.
ich bin auf das Forum hier gestoßen, weil sich meine Euphorie am Ende des Studiums nach 5 Monaten Bewerbungen und ca. 80 Absagenin eine Art Lethargie/Enttäuschung verwandelt. Hier ganz unten im Thread kannst du meine "Erfolgsstory" lesen.
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Du hast Geographie (MA-Studium) studiert. Das hatte ich nach dem Abi auch im Kopf, aber mir sagte jeder mit diesem "Orchideenstudium" bekommst du keinen Job. Eigentlich wollte ich Physik studieren, aber ich bin einfach ein schlechter Mathematiker

(trotz Physik LK). Also Jura studiert. Das war mir dann nach 2 Semestern zu trocken und da mich Außenpolitik immer total fasziniert hat, hab ich mich für Politik entschieden. Also Jura auf Bachelor gewechselt als Zeitstudium und Politik als Diplom-Hauptstudium.
Das Resultat kannst du im Link oben nachlesen. Dass ich als Physiker sofort einen Job bekommen hätte ist mir klar, ebenso wie die Tatsache, dass Politik nicht den Marktwert wie z.B. Wirtschaftsingenieur hat.
Das schlimmste an meiner Situation ist, dass ich nach dem Abitur auf vieles verzichten musste um mir mein Studium zu ermöglichen. Kein Auto, keine ausschweifenden Urlaube etc.. Heute Abend wären Freunde von mir auf ein Konzert gefahren. Ich kann nicht fahren, weil ich kein Geld habe, da keine Arbeit.
Ich hatte schon vor dem Studienende erfolgreiche Bewerbungen (und auch Absagen) hinter mir. Von daher weiß ich, dass der "Output" nicht sofort eintritt. Aber 80!!! Bewerbungen und nur 1 Interview bei dem man mich 2 Stunden warten hat lassen um mir dann zu sagen, dass der Chef schon weg ist und man sich schon für jemand anders entschieden hat.
In meinem Umfeld ist es nicht so, dass man mich für faul hält. Meine Familie, meine Freundin, meine Freunde und Bekannten sind fassungslos über meine Situation.
Die Bewerbungen sind Dauerthema. Mich nervt langsam die Fragerei.
"Na wie sieht's denn aus? Wurdest du schon eingeladen?"
Nach den ersten 30 Bewerbungen wurde ich stutzig und habe mich an einen Bewerbungscoach gewandt. Er prüfte meine Bewerbungen und meinte insbesondere bei den englischen Anschreiben, dass diese "sehr sehr gut" seien. Auch ein anderer "Profi" bestätigte das. Die falschen Stellen waren es auch nicht.
Viele meiner Freunde meinen einfach nur, dass es Pech ist. Ich bin langsam total verunsichert.
Weil hier das Thema "angebliche Faulheit" angeschnitten wurde. Dem muss ich mal entschieden dagegen halten. Alle fragen sich: Was macht so jemand den ganzen Tag bzw. seit Ende des Studiums? Der Eindruck man mache nicht viel, entsteht sehr schnell.
Ich schreibe natürlich Bewerbungen, suche Stellenanzeigen, habe auch schon wissenschaftliche Artikel geschrieben und meine Dipl. Arbeit veröffentlicht, Spanisch-Intensivkurse. Und seit 1 Monat besuche ich eine Business School in der ich mir wirtschaftliche Grundkenntnisse aneigne (Rechnungswesen, Bilanzierung etc.). Daneben suche ich nach Weiterbildungsmöglichkeiten, weil meine Studien anscheinend nicht ausreichend sind: Master Programme, Stipendien etc.. Nach Ende des Studiums habe ich auch 3 Monate Teilzeit gearbeitet um mir meine Abschlussreise zu finanzieren.
Sehr krass finde ich, wie potentielle Arbeitgeber mit mir umgehen.
Am Dienstag war ich auf einer Karrieremesse und hab mich dort bei einem Unternehmen vorgestellt. Der fragte mich dann:"Was haben sie studiert Politikwissenschaften? Und Bachelor of Laws? Und was wollen sie jetzt von mir?"
Das nagt dann schon sehr am Selbstbewusstsein. Aber in die Ecke setzten und aufgeben war noch nie meine Strategie.
Also es ist ja nicht so als ob mein Studium total weltfremd ist. Insbesondere meine Spezialisierungen sind eigentlich genau das "Richtige". Das Thema Erneuerbare Energien/Energiewende meiner Diplomarbeit ist ja gerade brandaktueller wie es kaum sein kann. Und das UN-Thema imeiner Bachelorarbeit st ja ebenso brandaktuell...
Wenn ich Turkologie, Tanzwissenschaften oder Japanologie studiert hätte, würde mich die Absagewelle nicht stören, aber das...
Was mich sehr stört ist die Tatsache, dass ich eigentlich keine Begründungen in den Absagen bekomme.
"Die große Anzahl an Kandidaten/innen machte es uns nicht gerade leicht eine Auswahl zu treffen. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns bezüglich der ausgeschriebenen Stelle nicht für Sie entschieden haben. " Oder so ähnlich. Was soll das? Warum können die mir nicht sagen woran es liegt? Wenn ich mal ab und zu wüsst, was der eigentliche Grund ist, könnte ich ja meine Bewerbungen bzw. Qualifikationen anpassen.
Sorry für den langen Text!
GLG
TraubenNuss