Hallo liebe Mitstreiter und Helfer,
ich bin neu hier und bin ratlos:
Ich bin jetzt das erste Mal in meinem Leben arbeitslos und bekomm echt die Krise was da so auf dem Arbeitslosenmarkt los ist. Schon allein was da so gesucht wird: Halbtagsjob mit 160 Stunden im Monat oder man fragt in der Onlinebewerbung nach dem Wunschmonatsgehalt, in der Vorschau erscheint dieser Betrag dann als Jahresgehalt. Machen denn die, die Leute suchen sich nicht mal Gedanken was sie eigentlich suchen?
Aber nun zu meinem eigentlichen Problem. Ich werde jetzt 50 und habe eine erfolgreiche (20 % Behinderung) Hüft-OP hinter mir, die mich den Job gekostet hat: ich war 14 Tage krank da kam die Kündigung. Ich kann aber schlecht im Lebenslauf schreiben, dass ich junge 50 bin (rauche nicht, trinke nicht, habe kein Übergewicht und bin sportlich; das klingt doch nach der totalen Spaßbremse). Außerdem kann ich was: Ich habe mich vom Pförtner bis zum Bauleiter hochgearbeitet, was sogar im Lebenslauf steht und mit einem erstklassigen Zeugnis belegt wird (die Stelle bevor ich an den Rausschmeißer geraten bin). Ich weiß schon was jetzt kommt: Streber! Die waren noch nie beliebt.
Aber anscheinend lesen die Personaler nur:
50 Jahre = zu alt = weg (unerheblich, dass ich noch 16 ½ Jahre arbeiten muss).
Hüft-OP = nicht mehr belastbar = weg.
Letzte Position: Bauleiter = überqualifiziert, damit zu teuer = weg
Dabei wäre ich gegenüber dem letzten Job bereit auf 1.000 EUR Lohn zu verzichten, um überhaupt wieder einen Job zu bekommen (auch dass kann ich nicht in der Bewerbung schreiben, sieht ja armselig aus).
Ansonsten ist der Lebenslauf 1a: Keine Fehlzeiten wg. Krankheit oder Arbeitslosigkeit (bis jetzt halt)
Jetzt liegt meine Hoffnung ein wenig auf einem privaten Arbeitsvermittler, den ich mir allerdings noch suchen muss. Was ich hier so gelesen habe, sind die auch recht wenig motiviert, obwohl ein Gutschein vom Arbeitsamt lockt.
Im Moment bin ich mit meinem Latein am Ende. Habt Ihr vielleicht eine Idee, wie ich die Barriere in den Köpfen der Arbeitgeber knacken kann, dass ich wenigstens mal zu Gesprächen eingeladen werde?
Tut mir leid, dass meine Frage so lang geworden ist und ich könnte noch 3 Seiten mehr erzählen um den ganzen Schlamassel zu erklären, der im Moment los ist. Und bei einem Bewerbungsanschreiben habe ich nur eine ½ Seite Platz, der Rest geht ja drauf für Anschrift und Grußformel und so.
Vielen lieben Dank schon mal für Eure Hilfe und Ideen.
Viele Grüße
Wassermann
zu alt, lädiert, zu teuer(?), wo ist der Ausweg?
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Re: zu alt, lädiert, zu teuer(?), wo ist der Ausweg?
Hallo Wassermann und Willkommen.
In der Tat eine unangenehme Situation, aus der man dich sich schnell heraus wünscht.
Ich würde gerne mal auf deine 3 genannten K.O.-Punkte eingehen. Aber eins noch vorneweg. Wenn du lange genug dich nicht bewerben musstest; kannst du dir dann sicher sein, dass ein unvorteilhaftes Anschreiben o.ä. nicht auch zu vielen Absagen führt?
Und wo bewirbst du dich überhaupt hin? In die Baubranche?
Du schreibst ja, dass du wenigstens mal zu einem Interview geladen werden willst. Wenn es also so weit nicht kommt; wie kann dann der Leser der Bewerbung überhaupt von deiner OP wissen?
Auch das Alter musst du ja in keiner Bewerbung angeben. Vielleicht sieht man es deinem Foto ja gar nicht an und lädt dich ein. So wie es sich anhört, wäre das in deinem Fall ja schon die halbe Miete.
Zu teuer ist wohl in der Tat ein Problem ... aber auch das liegt ja indirekt auch am Alter. Ein 50-jähriger muss i.d.R. mehr verdienen als ein 20-jähriger. Hier kann m.E. nur helfen, durch die Qualität zu bestechen. Gibst du Gehaltsvorstellungen (ungefragt) im Anschreiben an?
In der Tat eine unangenehme Situation, aus der man dich sich schnell heraus wünscht.
Ich würde gerne mal auf deine 3 genannten K.O.-Punkte eingehen. Aber eins noch vorneweg. Wenn du lange genug dich nicht bewerben musstest; kannst du dir dann sicher sein, dass ein unvorteilhaftes Anschreiben o.ä. nicht auch zu vielen Absagen führt?
Und wo bewirbst du dich überhaupt hin? In die Baubranche?
So zu den 3 Punkten.wassermann hat geschrieben:Hallo liebe Mitstreiter und Helfer,
Aber anscheinend lesen die Personaler nur:
50 Jahre = zu alt = weg (unerheblich, dass ich noch 16 ½ Jahre arbeiten muss).
Hüft-OP = nicht mehr belastbar = weg.
Letzte Position: Bauleiter = überqualifiziert, damit zu teuer = weg
Du schreibst ja, dass du wenigstens mal zu einem Interview geladen werden willst. Wenn es also so weit nicht kommt; wie kann dann der Leser der Bewerbung überhaupt von deiner OP wissen?
Auch das Alter musst du ja in keiner Bewerbung angeben. Vielleicht sieht man es deinem Foto ja gar nicht an und lädt dich ein. So wie es sich anhört, wäre das in deinem Fall ja schon die halbe Miete.
Zu teuer ist wohl in der Tat ein Problem ... aber auch das liegt ja indirekt auch am Alter. Ein 50-jähriger muss i.d.R. mehr verdienen als ein 20-jähriger. Hier kann m.E. nur helfen, durch die Qualität zu bestechen. Gibst du Gehaltsvorstellungen (ungefragt) im Anschreiben an?
Und ganz nebenbei: Je grösser die Verantwortung, die jemand in seinem Job trägt (bei einem Bauleiter kann die ERHEBLICH sein), desto mehr Wert wird in der Regel auf Erfahrung gelegt... und durchaus auch auf eine gewisse "Gewichtsklasse" in Auftreten und Erscheinung. Mir kommt die Situation ganz spontan absolut nicht hoffnungslos vor!
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Erst mal lieben Dank für die schnellen Antworten. Hatte nicht damit gerechnet und hatte mich erst mal zum Schreiben von Bewerbungen ausgeklinkt.
Warum der Leser von meiner OP wissen kann? Zuerst hatte ich das im Anschreiben erwähnt, dies lasse ich mittlerweile weg und erwähne es nur im Lebenslauf, wie soll ich denn sonst die jetzt entstandene Lücke erklären? Auf gesundheitliche Probleme ausweichen? Das lässt dann nur Raum für die wildesten Spekulationen.
Ich muss das Alter nicht angeben? Sowas muss doch aber auch in den Lebenslauf : Adresse, geboren wann und wo, wie viele Kinder, verheiratet seit wann. Oder wird soetwas heutzutage weggelassen? Das einzige was ich weiß ist, dass man Lebensläufe heute rückwärts schreibt. Davon ganz abgesehen kann jeder rechnen ab wann ich zur Schule gegangen bin plus 6.
Gehaltsvorstellung gebe ich nicht ungefragt an, ich will mich dadurch aber auch nicht zu billig verkaufen, wenn es nicht sein muss.
Zur Zeit bewerbe ich mich auf Stellen als Haustechniker und Hausmeister, da Stellen in gehobener Position als Bauleiter und Projektleiter noch seltener sind und schon in den Stellenausschreibungen steht, dass man Ingenieure, also studierte Leute sucht. Da traue ich mich dann gar nicht erst ran.
Zu den Anschreiben? Tja, das weiß ich halt auch nicht. Zunächst habe ich offen geschrieben, wie es zur Kündingung gekommen ist und das mit der Hüft-OP. Das lasse ich jetzt schon weg und schreibe eher von meinen Stärken. Ich hoffe, dass ich langsam den Dreh drauf kriege. Ich übe ja noch, nur die Zeit rinnt mir durch die Finger.
Liebe Grüße
Wassermann
Warum der Leser von meiner OP wissen kann? Zuerst hatte ich das im Anschreiben erwähnt, dies lasse ich mittlerweile weg und erwähne es nur im Lebenslauf, wie soll ich denn sonst die jetzt entstandene Lücke erklären? Auf gesundheitliche Probleme ausweichen? Das lässt dann nur Raum für die wildesten Spekulationen.
Ich muss das Alter nicht angeben? Sowas muss doch aber auch in den Lebenslauf : Adresse, geboren wann und wo, wie viele Kinder, verheiratet seit wann. Oder wird soetwas heutzutage weggelassen? Das einzige was ich weiß ist, dass man Lebensläufe heute rückwärts schreibt. Davon ganz abgesehen kann jeder rechnen ab wann ich zur Schule gegangen bin plus 6.
Gehaltsvorstellung gebe ich nicht ungefragt an, ich will mich dadurch aber auch nicht zu billig verkaufen, wenn es nicht sein muss.
Zur Zeit bewerbe ich mich auf Stellen als Haustechniker und Hausmeister, da Stellen in gehobener Position als Bauleiter und Projektleiter noch seltener sind und schon in den Stellenausschreibungen steht, dass man Ingenieure, also studierte Leute sucht. Da traue ich mich dann gar nicht erst ran.
Zu den Anschreiben? Tja, das weiß ich halt auch nicht. Zunächst habe ich offen geschrieben, wie es zur Kündingung gekommen ist und das mit der Hüft-OP. Das lasse ich jetzt schon weg und schreibe eher von meinen Stärken. Ich hoffe, dass ich langsam den Dreh drauf kriege. Ich übe ja noch, nur die Zeit rinnt mir durch die Finger.
Liebe Grüße
Wassermann
....da Stellen in gehobener Position als Bauleiter und Projektleiter noch seltener sind und schon in den Stellenausschreibungen steht, dass man Ingenieure, also studierte Leute sucht. Da traue ich mich dann gar nicht erst ran...
Warum denn nicht? Man muss es einfach versuchen und sich nicht abschrecken lassen. DU hast schliesslich praktische Erfahrung auf Deinem Gebiet, manch Studierter muss diese erst noch sammeln. Und wer weiß, vielleicht sieht das manche Firma auch so, "der hat ja schon Erfahrung, der hat sich hochgearbeitet"...........wenn man es nicht probiert, dann kann man seine Chancen nicht testen.
Wie ist denn eigentlich in Deinem Arbeitszeugnis die Endformulierung? Da steht doch bestimmt nicht "Aufgrund seiner Hüft-Op mussten wir uns leider von ihm trennen", oder?
Liebe Grüße
Christiane
Warum denn nicht? Man muss es einfach versuchen und sich nicht abschrecken lassen. DU hast schliesslich praktische Erfahrung auf Deinem Gebiet, manch Studierter muss diese erst noch sammeln. Und wer weiß, vielleicht sieht das manche Firma auch so, "der hat ja schon Erfahrung, der hat sich hochgearbeitet"...........wenn man es nicht probiert, dann kann man seine Chancen nicht testen.
Wie ist denn eigentlich in Deinem Arbeitszeugnis die Endformulierung? Da steht doch bestimmt nicht "Aufgrund seiner Hüft-Op mussten wir uns leider von ihm trennen", oder?

Liebe Grüße
Christiane
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- Beiträge: 3
- Registriert: 24.01.2010, 10:55
Liebe Christiane,
vielen Dank für’s Mut machen!
Das stand in dem Zeugnis von der Firma, für die ich zuletzt 10 Jahre gearbeitet habe:
- Aufgrund des Verkaufs der wesentlichen Betriebsgrundlagen (Verkauf der verwalteten Immobilien) und der damit einhergehenden Schließung der Niederlassung xy musste zu unserem Bedauern das Arbeitsverhältnis mit Wassermann aufgelöst werden. Wir bedauern es sehr ihn deshalb zu verlieren und danken ihm für die stets gute Zusammenarbeit.
Wir wünschen ihm für die Zukunft privat und beruflich alles Gute und weiterhin viel Erfolg.-
Danach bin ich dann ich mit den o.g. Immobilien in eine andere Firma übernommen worden, als mich dann während der Probezeit meine Hüfte aus dem Verkehr gezogen hat. Da die Firma die Immobilien im Sack hatte, war das eine willkommene Gelegenheit mich loszuwerden.
Aber ich bin ja lernfähig: Die Hüfte habe ich mittlerweile aus meinen Unterlagen komplett raus genommen. Bei 20 % Behinderung muss ich das ja auch nicht angeben. Ich wurde halt in der Probezeit - aus welchen Gründen auch immer - arbeitslos. Punkt.
Um mich auf die „gehobenen Positionen“ zu bewerben muss ich noch an mir arbeiten. Vor 10 Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass dann doch die Leute die Stellungen bekommen haben, die die Papierchen vorweisen konnten, obwohl es zum Teil haarscharf war. Und immerhin hatte ich die letzten 10 Jahre Berufserfahrung da ja noch nicht. Vielleicht sollte ich mich doch mal trauen.
Liebe Grüße
Wassermann
vielen Dank für’s Mut machen!
Das stand in dem Zeugnis von der Firma, für die ich zuletzt 10 Jahre gearbeitet habe:
- Aufgrund des Verkaufs der wesentlichen Betriebsgrundlagen (Verkauf der verwalteten Immobilien) und der damit einhergehenden Schließung der Niederlassung xy musste zu unserem Bedauern das Arbeitsverhältnis mit Wassermann aufgelöst werden. Wir bedauern es sehr ihn deshalb zu verlieren und danken ihm für die stets gute Zusammenarbeit.
Wir wünschen ihm für die Zukunft privat und beruflich alles Gute und weiterhin viel Erfolg.-
Danach bin ich dann ich mit den o.g. Immobilien in eine andere Firma übernommen worden, als mich dann während der Probezeit meine Hüfte aus dem Verkehr gezogen hat. Da die Firma die Immobilien im Sack hatte, war das eine willkommene Gelegenheit mich loszuwerden.
Aber ich bin ja lernfähig: Die Hüfte habe ich mittlerweile aus meinen Unterlagen komplett raus genommen. Bei 20 % Behinderung muss ich das ja auch nicht angeben. Ich wurde halt in der Probezeit - aus welchen Gründen auch immer - arbeitslos. Punkt.
Um mich auf die „gehobenen Positionen“ zu bewerben muss ich noch an mir arbeiten. Vor 10 Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass dann doch die Leute die Stellungen bekommen haben, die die Papierchen vorweisen konnten, obwohl es zum Teil haarscharf war. Und immerhin hatte ich die letzten 10 Jahre Berufserfahrung da ja noch nicht. Vielleicht sollte ich mich doch mal trauen.
Liebe Grüße
Wassermann
Hi Du,
ja, das solltest Du.
Du zweifelst zu sehr an Dir, nur weil da das Hüftproblem ist. Und das brauchst Du nicht. Du kannst was, Du hast was geleistet und kannst was vorweisen. Also mach was draus.
Ich kann Dir leider nicht die richtigen Tipps geben, wie Deine Bewerbung am Besten auszusehen hat, aber bei Formulierungen und so kann ich vielleicht helfen.
Und bei der Motivation.
Das Anschreiben sollte nur kurz Deine Person, Fähigkeiten und Stärken umschreiben, dafür aber umso prägnanter. Auf die Kündigung in der Probezeit solltest Du gar nicht eingehen. (Ich selber bin auch in der Probezeit gekündigt worden und weiß noch nicht mal, warum. Aber das schreib ich auch nicht ins Anschreiben. Im Lebenslauf habe ich strukturelle Veränderung des Mitarbeiterstamms angegeben.)
Im Lebenslauf führst Du dann detailliert auf, was Du gemacht hast.
Präsentier Dich nicht als "alter Sack mit Gehbehinderung" (sorry, hoffe Du verstehst wie ich das meine), sondern als erfahrene Person, mit umfangreichem Fachwissen und der mit seinen 50 Jahren halt mehr Erfahrung und Wissen vorweisen kann.
So, Motivationsstunde vorerst beendet..
Liebe Grüße
Christiane
ja, das solltest Du.
Du zweifelst zu sehr an Dir, nur weil da das Hüftproblem ist. Und das brauchst Du nicht. Du kannst was, Du hast was geleistet und kannst was vorweisen. Also mach was draus.
Ich kann Dir leider nicht die richtigen Tipps geben, wie Deine Bewerbung am Besten auszusehen hat, aber bei Formulierungen und so kann ich vielleicht helfen.
Und bei der Motivation.
Das Anschreiben sollte nur kurz Deine Person, Fähigkeiten und Stärken umschreiben, dafür aber umso prägnanter. Auf die Kündigung in der Probezeit solltest Du gar nicht eingehen. (Ich selber bin auch in der Probezeit gekündigt worden und weiß noch nicht mal, warum. Aber das schreib ich auch nicht ins Anschreiben. Im Lebenslauf habe ich strukturelle Veränderung des Mitarbeiterstamms angegeben.)
Im Lebenslauf führst Du dann detailliert auf, was Du gemacht hast.
Präsentier Dich nicht als "alter Sack mit Gehbehinderung" (sorry, hoffe Du verstehst wie ich das meine), sondern als erfahrene Person, mit umfangreichem Fachwissen und der mit seinen 50 Jahren halt mehr Erfahrung und Wissen vorweisen kann.
So, Motivationsstunde vorerst beendet..

Liebe Grüße
Christiane